Liste der eingenommenen Schmerzmittel:
Tramadolor,
Ibuprofen 800mg (3 Tab. täglich), Morphine bis 90mg (täglich, 2 Tab.), Novaminsulfon
400mg (3 Tab. täglich).
Was für ein Schmerzmittelcocktail, dem natürlich
auch mein Gehirn ausgesetzt war. Nach drei Tagen kamen nicht nur Konzentrationsstörungen,
sondern auch das Gefühl, Fieber zu haben. Alles befand sich sehr weit weg, so
dass ich Wahrnehmungsstörungen in komplexer Weise hatte. Irgendwie der Realität
sehr fern. Es fühlte sich an, als würde ich unter Drogen stehen. Schweißausbrüche
und sich nicht mehr artikulieren können, waren nur ein Teil der Nebenwirkungen.
Zudem machte sich jetzt der Magen bemerkbar.
Etwas essen können ohne Krämpfe, war nicht mehr möglich. Dementsprechend
kam die wenige Nahrung postwendend wieder zurück. Mein schwerer Diabetes
erfordert jedoch die kontrollierte Einnahme von komplexen Kohlenhydraten. Die
Folge war bei mir ein Gewichtsverlust von 35 kg. Völlig entkräftet ging ich zu
einem neuen Orthopäden. Diese verschrieb mir Novaminsulfon Tropfen. Gut, ich
habe diese genommen und dann einfach abgesetzt. Bis heute 2014 versuche ich ohne
Schmerzmittel meinen Alltag zu regeln. Das geht nur, in dem ich mich öfters
hinlege und meinem gestressten Körper, als auch der Psyche, Ruhe gönne. Wenn
man so wie ich alleine ist, benötigen beide diese unbedingte Entspannung.
Jetzt kam die Nacht. Einschlafen war nur
manchmal möglich. Hatte ich es trotz der Schmerzen geschafft mich zu
entspannen, kamen maximal 4 Stunden Schlaf in einem Stück dabei herum. Einer Arbeit konnte ich nicht mehr
nachgehen, weshalb ich auch beim Rentenversicherer einen EU-Rentenantrag
gestellt habe. (Erwerbsunfähigkeits-Rentenantrag). Bis heute 2014 ist der
fünfte Antrag abgelehnt worden. Selbst der Anruf des Petitionsausschusses des
Bundestages war negativ. Ich komme mir inzwischen ziemlich nichtssagend und
klein vor. Ignoranz auf der ganzen Linie, meinen chronischen Krankheiten
gegenüber.
Nervlich, psychisch als auch physisch am Boden,
versuche ich meinen sehr simpel aufgebauten Haushalt selbst zu regeln. Nur
keine große Hilfe von Behörden in Anspruch nehmen, die ich sowieso nicht bekam
und bekomme. Mir selbst am Morgen im Spiegel einigermaßen noch ins Gesicht
sehen zu können, ist mir wichtig.
Erschwerend kam für mich hinzu, dass ich
seit unsäglichen Jahren einen aussichtslosen Kampf gegen Gutachter führe.
Selbst ein Klageverfahren gegen die Bescheide des Rentenversicherers ist
negativ ausgegangen. Die Familie hat sich abgewendet, da ich nicht mehr für sie
so da sein konnte, wie sie es gewohnt war.
Heute 2014 bin ich soweit, dass ich beim
kleinsten Geräusch zusammenfahre und oft die Tränen fließen. Ich schreie, wenn
mir danach ist, weil der innere Druck zu stark ist. Ich kann und will mich
nicht mehr immer gegen Behörden wehren
müssen. Alle chronischen Erkrankungen sind nachgewiesen und sollten respektiert
werden. Immerhin muss ich mit diesen, 24 Stunden, 365 Tage rund um die Uhr
leben. Frust, Enttäuschung, Hass. Die ganze negative Gefühlspalette baut sich
jeden Tag auf. Mal mehr, mal weniger. Dagegen gibt es keine Medikamente,
sondern nur ein zurückziehen in sich selbst. Wie sollte man nun seinem nächsten
Umfeld die Arthrose-Schmerzen und die daraus resultierende Bewegungsunfähigkeit
erklären?. Verständnis kommt doch von Verstehen. Keinen durchgängigen Schlaf mehr
zu haben, raubt die Nervenkraft. Jede Bewegung ist Hölle pur. Sie verstehen es
meistens nicht oder wollen es nicht verstehen. Nachvollziehen können es nur
Menschen die ebenfalls von dieser sehr hartnäckigen, chronischen Krankheit
betroffen sind. Sich immer wieder erklären zu müssen, ist eine unglaubliche
Erniedrigung für mich. Erklären, warum man nicht zum genannten Termin kommen
kann, sondern etwas später. Was spielt es für eine Rolle, wenn ich später erscheine?.
Gar keine. Zeit hat einfach keine Relevanz mehr, was die Pünktlichkeit
betrifft. Mir ist wichtig, dass ich jemanden sehe und mit Menschen reden kann. Genau
da zeigen sich die wirklich wahren Freunde. Es trennt sich quasi Spreu von Weizen.
Sie akzeptieren mich mit dem, was ich noch kann. Dies führt dann leider zur sozialen
Ausgrenzung von Menschen.
Zusatz: Wer Hilfe benötigt beim Ausfüllen
von EU-Renten-Anträgen oder auch Vorgehensweisen, kann mich gerne über E-Mail
kontaktieren. ma-hanelt@t-online.de
© Marlies Hanelt
Da mein Blog mithin für den Humor bekannt ist, möchte ich ein dementsprechendes Gif mit einbinden. Genau das ist es, was man als chronischer Schmerzpatient (bei Arthrose z.Bsp.) pausenlos machen möchte. Voll mit dem Kopf gegen eine Laterne. Quasi den vorhandenen Schmerz mit einem Erneuten überlagern.